EuGH-Urteil eröffnet Rückerstattungsansprüche für Verluste bei unlizenzierten Online-Glücksspielen
Yara Wolf · Jun 29, 2026

EuGH-Urteil eröffnet Rückerstattungsansprüche für Verluste bei unlizenzierten Online-Glücksspielen

Der Europäische Gerichtshof hat in seinem Urteil vom April 2026 klargestellt, dass Online-Spieler in Deutschland zivilrechtliche Ansprüche auf Rückerstattung von Einsätzen geltend machen können, die sie bei nicht lizenzierten Anbietern verloren haben, und zwar auch dann, wenn nationale Vorschriften später geändert wurden und solche Aktivitäten erlauben. Dies betrifft insbesondere Fälle aus der Zeit vor dem GlüStV 2021, als ein generelles Verbot für Online-Glücksspiele galt, während die Entscheidung zugleich bestätigt, dass EU-Recht nationale Regelungen zur Lenkung des Glücksspiels in überwachte Systeme sowie Restitutionsklagen nach nationalem Recht nicht ausschließt.
Das Verfahren drehte sich um den Fall C-440/23, in dem der Gerichtshof prüfte, ob Spieler von Betreibern wie jenen mit unlizenzierten Online-Casino- und Wettangeboten Erstattungen verlangen dürfen. Experten haben festgestellt, dass die vor 2021 bestehenden Verbote weiterhin Grundlage für solche Ansprüche bilden können, auch wenn der neue Staatsvertrag ab 2021 eine regulierte Marktöffnung brachte.
Hintergründe zum Verbot vor 2021
Das deutsche Glücksspielrecht sah bis einschließlich 2020 ein umfassendes Verbot für die meisten Formen des Online-Glücksspiels vor, das durch den Glücksspielstaatsvertrag geregelt war und darauf abzielte, Spielsucht zu verhindern sowie illegale Angebote einzudämmen. Spieler, die in dieser Phase Einsätze bei ausländischen Anbietern ohne deutsche Lizenz platzierten, können nun auf Grundlage des EuGH-Urteils zivilrechtlich vorgehen, weil die damaligen Vorschriften als verletzt gelten und Verträge unwirksam sein können.
Beobachter haben vermerkt, dass die Entscheidung des Gerichtshofs die Kompatibilität mit EU-Recht betont, da nationale Maßnahmen zur Kanalisierung des Glücksspiels in staatlich überwachte Kanäle nicht als unverhältnismäßig eingestuft werden. Gleichzeitig bleibt es den Mitgliedstaaten überlassen, Restitutionsmechanismen im innerstaatlichen Recht auszugestalten, was in Deutschland bereits zu laufenden Verfahren gegen diverse Betreiber geführt hat.
Details der EuGH-Entscheidung
Im Urteil stellte der Gerichtshof fest, dass EU-Recht einer nationalen Regelung nicht entgegensteht, die es Spielern ermöglicht, verlorene Einsätze zurückzufordern, selbst wenn die verbotenen Aktivitäten später legalisiert wurden. Die Pressemitteilung Nr. 53/26 des Europäischen Gerichtshofs erläutert dazu, dass die ursprünglichen Ziele des Verbots wie Spielerschutz und Kriminalitätsbekämpfung weiterhin relevant bleiben und zivilrechtliche Ansprüche nicht automatisch durch spätere Gesetzesänderungen erlöschen.
Die vollständige Pressemitteilung enthält weitere Erläuterungen zum Fall, der von deutschen Gerichten vorgelegt worden war und in dem es um konkrete Rückforderungen ging. Daten aus Gerichtsverfahren zeigen, dass solche Klagen seit der Entscheidung vermehrt eingereicht werden, wobei die Erfolgsaussichten von den individuellen Umständen der Vertragsabschlüsse abhängen.

Auswirkungen auf laufende Verfahren
In Deutschland haben mehrere Gerichte bereits Klagen von Spielern gegen Betreiber ohne gültige Lizenz behandelt, und das EuGH-Urteil liefert nun eine klare europarechtliche Grundlage dafür, dass solche Ansprüche nicht durch die Marktentwicklung nach 2021 obsolet werden. Anwälte berichten von einer steigenden Zahl von Fällen, in denen Verluste aus den Jahren 2012 bis 2021 geltend gemacht werden, während die Behörden die Einhaltung der neuen Lizenzvorschriften weiter überwachen.
Die Entscheidung bestätigt zudem, dass Mitgliedstaaten weiterhin Spieler vor unlizenzierten Angeboten schützen dürfen, ohne dass dies gegen die Dienstleistungsfreiheit im EU-Binnenmarkt verstößt. Statistiken aus dem deutschen Glücksspielmarkt deuten darauf hin, dass der Anteil unlizenzierter Plattformen vor der Regulierung 2021 erheblich war, was die Relevanz der Rückerstattungsmöglichkeiten unterstreicht.
Rechtliche Rahmenbedingungen und EU-Kontext
Das Urteil reiht sich in eine Reihe von Entscheidungen ein, mit denen der EuGH die Balance zwischen nationalen Schutzinteressen und europäischen Grundfreiheiten präzisiert hat. In Deutschland bedeutet dies, dass bestehende zivilrechtliche Instrumente wie die Rückabwicklung unwirksamer Verträge weiterhin Anwendung finden, während der neue GlüStV 2021 auf eine kontrollierte Öffnung des Marktes abzielt.
Behörden und Gerichte prüfen derzeit, wie die Grundsätze des Urteils in der Praxis umgesetzt werden, wobei der Fokus auf der Wirksamkeit von Verträgen mit nicht lizenzierten Anbietern liegt. Die Entscheidung hat keine unmittelbaren Änderungen am bestehenden deutschen Rechtssystem zur Folge, sondern stärkt vielmehr die Position von Spielern in laufenden oder zukünftigen Verfahren.
Schlussfolgerung
Das EuGH-Urteil in der Rechtssache C-440/23 schafft eine verbindliche europarechtliche Klarstellung, die deutsche Gerichte bei der Behandlung von Rückerstattungsklagen berücksichtigen müssen. Spieler, die vor 2021 Einsätze bei unlizenzierten Online-Anbietern getätigt haben, erhalten dadurch eine gestärkte rechtliche Position, während die nationalen Regelungen zur Glücksspielregulierung unberührt bleiben. Die Entwicklung zeigt, wie EU-Recht und mitgliedstaatliche Vorschriften ineinandergreifen, um Verbraucherschutz und Marktlenkung zu gewährleisten.